FORUM PALÄSTINA

20 Jahre Palästina Initiative Region Hannover 2002 – 2022

 

Liebe Palästina- und Israel-Interessierte,

neun Mal konnte die Palästina Initiative alle 2 Jahre eine Filistina – eine Reihe von Kultur- und Politik-Veranstaltungen als palästinensischen Kulturmonat – erfolgreich organisieren. Dieses Jahr soll es nun die 10. Filistina geben, ein Anlass, der zu feiern wäre. Leider können wir sie unseren Freund*innen und Interessent*innen  nicht als geschlossene Reihe präsentieren. Covid 19 hat uns die dafür notwendige langfristige Vorbereitungszeit nicht zugestanden. Zu viel war und ist immer noch ungewiss. Daher haben wir uns entschieden, Ihnen/euch verschiedene einzelne Veranstaltungen im Filistina-Format über das Jahr verteilt anzubieten. Näheres zur FILISTINA ist auf unserer Webseite unter der Rubrik FILISTINA 2022 zu finden.

Zudem laden wir ein zu unserer nächsten FORUM-Veranstaltung:

Donnerstag, 24.11.2022 – 19.00 Uhr
Referent: Theodor Wahl-Aust (Düsseldorf)
Für ein barrierefreies Leben in Massafar Yatta!
/ Gegen Aussperrung und Vertreibung in MY

Ort: Stadtteilzentrum Lister Turm, Raum 16

Israels oberster Gerichtshof hat am 4. Mai die Zerstörung von acht palästinensischen Dörfern und die Vertreibung von mehr als 1000 Menschen im Süden des Westjordanlands gebilligt unter Berufung darauf, dass in Masafer Yatta in den Bergen von Süd-Hebron ein Militämanövergebiet, die Feuerzone 918, errichtet werden müsse. Diese Begründung der Errichtung von sogenannten Feuerzonen dient oft als Vorwand, um Platz zu schaffen für die Errichtung von Siedlungen.
Dort in Masafar Yatta südlich Hebron war Theodor Wahl-Aust bis vor kurzem – Frühjahr 2022 – im Auftrag von Pax Christi als Menschenrechtsbeobachter des Weltkirchenrats* im Einsatz, er berichtet vom verzweifelten Kampf der Menschen gegen die Vertreibung und damit den Ausschluss von dem Ort, wo sie seit Generationen gelebt haben.
*EAPPI: Ecumanical Accompaniment Programme in Palestine and Israel.

Palästina Initiative Region Hannover

 

FORUM-Veranstaltungen 2022

Interessierte, die noch nicht in unserem Verteiler sind, melden sich bitte unter info@palaestina-initiative.de für den jeweiligen Vortrag oder den Newsletter an. Der Link, der zur Teilnahme an der Veranstaltung (‘Meeting’) berechtigt, wird am Vortag der Veranstaltung versendet.

Donnerstag, 03.03.2022 – 19.00 Uhr
Referent: Claus Walischewski (Bremen)
Amnesty Internationals Bericht ‘Israels Apartheid gegen die Palästinenser’
Ort: Online-Veranstaltung über Zoom
In AI’s Bericht wird die Beziehung zwischen Israelis und Palästinenser*innen unter dem Blickwinkel des Apartheidsbegriffs neu analysiert und und einer neuen Bewertung unterzogen. So werden die vielen Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen, die AI über die Jahre dokumentiert hat, neu geordnet und es wird anhand vieler Beispiele sichtbar gemacht, dass das System der Unterdrückung und Diskriminierung fast alle Lebensbereiche der Palästinenser*innen beeinflusst und dass alle Palästinenser*innen (die in Israel, in Ost-Jerusalem, in der Westbank, in Gasa und die Flüchtlinge im Ausland) betroffen sind. Claus Walischewski ist der Sprecher des deutschen Ablegers des Israelischen Komitees gegen Hauszerstörungen (Israelian Committee against House Demolitions – ICAHD).

Claus Walischewski hat uns freundlicherweise sowohl die Inhalte der Powerpoint-Präsentation des Vortrags als auch einige Begleitmaterialien zur Verfügung gestellt.

Sowohl Herr Walischewski als auch eine Teilnehmerin des Zoom-Vortrages haben folgenden Podcast vom WDR empfohlen: “Vorwurf Antisemitismus – Vom Umgang mit einem scharfen Schwert”.

Dienstag, 10.05.2022 – 19.00 Uhr
Referent: Shir Hever (Heidelberg)
Praxis der Dekolonisierung in Israel/Palästina
Ort: Online-Veranstaltung über Zoom
Dazu schreibt Shir Hever: Nur sehr wenige Wissenschaftler:innen in der Welt bestreiten nach wie vor die Relevanz des Kolonialismus-Themas für die Situation in Israel/Palästina. Palästinensische und israelische Wissenschaftler:innen auf der rechten und linken Seite berufen sich auf Theorien des Kolonialismus, Postkolonialismus, Antikolonialismus und Neokolonialismus. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, wie man die Lage in Israel/Palästina richtig definiert, sondern wie man sie verbessern kann. An dieser Stelle kommt das Thema der Dekolonisierung in die Debatte. Bedeutet “Dekolonisierung” das Ende des jüdischen Lebens in Palästina? Können Dekolonisierung und Siedlerkolonialismus in ein und demselben Land koexistieren? Die Dekolonisierung ist ein andauernder und schmerzhafter Prozess. Wir sollten aufhören, den Begriff “Konflikt” zu verwenden und stattdessen den Begriff “Dekolonisierung” benutzen.

 

Donnerstag, 30.06.2022 – 19.00 Uhr
Referent: Theodor Wahl-Aust (Düsseldorf)
Bildvortrag – Das Recht wird in der Wüste wohnen und Gerechtigkeit im fruchtbaren Lande
Ort: Stadtteilzentrum Lister Turm, Raum 16

Israels oberster Gerichtshof hat am 5. Mai die Zerstörung von acht palästinensischen Dörfern und die Vertreibung von mehr als 1000 Menschen im Süden des Westjordanlands gebilligt. Genau dort in Masafar Yatta südlich Hebron (arab. Al-Khalil) war Theodor Wahl-Aust bis vor kurzem – Frühjahr 2022 – im Auftrag von Pax Christi als Menschenrechtsbeobachter des Weltkirchenrats* im Einsatz – und er berichtet vom verzweifelten Kampf der Menschen gegen die Zerstörung und den Verlust ihrer Heimat.
*EAPPI: Ecumanical Accompaniment Programme in Palestine and Israel.
(Bild links: Zerstörung einer Behausung in den Bergen südlich Hebrons, ©ÖRK-EAPPI)

 

FORUM-Veranstaltungen 2021

Soweit wir die FORUM-Veranstaltungen aufgezeichnet haben (5.10. mit Karin Leukefeld, 17.11. mit Dr. Raif Hussein, 15.12. mit Dr. Shir Hever, 26.01.21 mit Prof. Abed Schokry, 01.03.21 mit Dr. Raif Hussein, etc.), finden Sie die Videos weiter unten auf dieser Seite unter dem jeweiligen Veranstaltungstext.

Dienstag, 26.01.21 – 19.00 Uhr
Referent: Abed Schokry (Gaza)
(Über)Leben zwischen Trauma und Hoffnung’
– Aktueller Bericht aus Gaza unter Coronabedingungen
Ort: Online-Veranstaltung über Zoom
Prof. Dr. Abed Schokry studierte ab 1992 Maschinenbau an der Technischen Universität Darmstadt. Schon da engagierte er sich als Vertreter ausländischer Studenten. Später promovierte er in Ergonomie/Rettungsdienst und Rettungswagen. Ab 2002 kam auch seine Frau nach Deutschland und die erste und die zweitälteste Tochter wurden in Berlin geboren.
Nach seinem Studium in Deutschland folgte Dr. Abed Schokry aus dem sicheren Berlin 2007 einem Ruf an die Universität Gaza und kehrte in seine Heimat zurück. Und diese, gerade zu einer Zeit, als die letzten ausländischen Beobachter den palästinesischen Grenzposten Rafah verließen. Seitdem lebt er nun mit seiner Familie dort. Dort erlebte er die militärische Invasion der israelischen Armee 2008 / 2009, die Kriege, die Zerstörungen und die totale Abriegelung nach außen und deren traumatische Auswirkungen, die bis heute anhalten. Abed Schokry sendet regelmäßig erschütternde Berichte aus Gaza über Situationen, die in keinem deutschen Medium zu lesen sind. „Ich bin verzweifelt, aber auch wütend“, so beginnt einer der Briefe, die er regelmäßig an deutsche Freunde und Bekannte schickt.
Authentisch berichtet er über das aktuell durch Corona noch besonders verschlechterte Leben in Gaza – und richtet seinen Blick auch auf die Situation von Familien, Kindern und Jugendlichen.

 

Dienstag, 09.02.21 – 19.00 Uhr
Referent: Daniel Alexander Schacht (Hannover)
Präsentation: “Palästinenser im Wunderland”
Ort: Veranstaltung über Zoom
Graffiti gegen Gewalt: Die weltweit beachtete Blüte der Street Art – an Israels Sperrmauer zur Westbank in Bethlehem mit Dr. Daniel Alexander Schacht: Mit seinen Graffiti hat der internationale Street-Art-Star Banksy eine Konjunktur der Kunst an der Sperrmauer losgetreten, die Israel durch Bethlehem gebaut hat. Eine Präsentation von Dr. Daniel Alexander Schacht als visueller Spaziergang an dem Bauwerk, dass die Palästinenser isolieren sollte – und das durch Street Art aus aller Welt jetzt gerade Aufsehen erregt.
Ursprünglich war die Präsentation als Präsenzveranstaltung im Rahmen der FILISTINA im Kino im Künstlerhaus geplant. Sie musste jedoch auf Grund von COVID-19 abgesagt werden und wurde digital im Rahmen unserer Forumsveranstaltungen nachgeholt.

Hier können Sie die Aufzeichnung des Vortrags sehen. Wir empfehlen für eine bessere Lesbarkeit der Folien während des Vortrags rechts unten auf Vollbild zu klicken.

Buchempfehlungen von Dr. Schacht:
Zia Krohn & Joyce Lagerweij: „Concrete Messages. Street Art on the Israeli-Palestinian Separation Barrier”. Dokument Press. Arsta, Sweden 2010, 126 Seiten, 28,21€
“A Child in Palestine. The Cartoons of Naji al-Ali. With an Intoduction by Joe Sacco”. Verso – New Left Books. London, New York 2009, 118 Seiten, 12,89€
Arab Educational Institute: “The Wall Museum. Palestinian Stories on the Wall in Bethlehem”. AEI Open Windows. Bethlehem 2012, 72 Seiten, Mail an aei@p-ol.com.

Im Chat unserer Veranstaltung wurden Adressen und Hinweise bei weiterem Informationsbedarf empfohlen:
Zur palästinensischen Ortschaft Al-Isawiya in Ostjerusalem: en.wikipedia.org/wiki/Isawiya
Ein sehr interessanter Buchladen in Ostjerusalem: www.educationalbookshop.com
Die Bibel als Grundbuch – ein Artikel in Haaretz: www.haaretz.com
Zur Website des EAPPI-Netzwerks in Deutschland: www.eappi-netzwerk.de
Zum Palästinabild in israelischen Schulbüchern: Nurit Peled-Elhanan – “Palästina in israelischen Schulbüchern”. Eine Rezension zu diesem Buch von Willi Parlmeyer im BIP Aktuell 155. Zu beziehen für 28€ über die STIFTUNGS-Buchhandlung Otterstadt (bitte nach der deutschen Ausgabe fragen); E-Mail: buchhandlung.hirschler@singstiftung.de; Telefon: 06232-2890098

 

 

Montag, 01.03.21 – 19.00 Uhr
Referent: Raif Hussein (Hannover / Haifa)
Neuwahlen in Israel – die Parteienlandschaft und die oppositionelle Gemeinsame Liste
Ort: Online-Veranstaltung über Zoom
In Israel stehen nach den Wahlen von 2019 und 2020 am 23.03. dieses Jahres erneute Wahlen an. Seit den letzten Wahlen haben sich einige Dinge verändert. Zum einen geriet Netanjahu verstärkt unter Druck und steht wegen Korruption unter Anklage. Zum anderen wurde sein Unterstützer Trump in den USA als Präsident abgewählt.
Was bedeutet das für die anstehenden Wahlen? Wer und was steht zur Wahl und welche Tendenzen sind abzusehen? Wie steht es um die bei den letzten Wahlen noch drittstärkste Kraft, die gemeinsame Liste aus palästinensischen und linken jüdischen Kräften? Für Palästina stehen ebenfalls Wahlen an, für das Parlament, die Präsidentschaft und den Nationalrat, und zwar an drei verschiedenen Terminen. Was ist davon zu erwarten und wie ernst sind die Versöhnungstendenzen zwischen PLO und Hamas zu nehmen?
Dr. Raif Hussein lebt seit vielen Jahren in Hannover und ist Mitglied der PI. Er leitete auch viele Jahre die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e. V. Zur Zeit hält er sich in Haifa auf und beobachtet dort die Lage und Entwicklung in Israel und Palästina.

 

Donnerstag, 25.03.21 – 19.00 Uhr
Referent: Daniel Alexander Schacht (Hannover)
Friedliche Gemeinsamkeit – (k)eine Utopie?
Ort: Online-Veranstaltung über Zoom
Omri Boehms Impulse für eine andere Debatte über Frieden zwischen Palästinensern und Israelis – eine Präsentation aus Anlass seines jüngsten Buches „Israel – eine Utopie”
Kann man als Deutscher Israels Politik kritisieren, ohne damit in alten Antisemitismus zurückzufallen? Ist es Verrat am Zionismus, wenn man sich nicht zu einem jüdischen Staat bekennt? Führt der Weg zum Frieden nur über die Zwei-Staaten-Lösung, einen Staat der Palästinenser neben dem der Israelis?
Cover: Israel - eine UtopieSolche Fragen wirft der israelische Intellektuelle Omri Boehm auf – und diskutiert sie erfrischend tabulos. Seine Argumente klingen umso aktueller, je verfahrener die Lage im Nahen Osten scheint. Denn umso deutlicher wird, dass Frieden und Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit zwischen Mittelmeer und Jordan nicht gegen Exklusivitätsansprüche einer Gruppe, einer Ethnie oder Glaubensgemeinschaft gedeihen können. „Israel – eine Utopie“ heißt das Buch, in dem der 1979 in Haifa geborene und in New York lehrende und auch in Deutschland forschende Philosoph (Boehm besitzt die israelische und deutsche Staatsbürgerschaft) viele Vorbehalte der Nahostdebatte abräumt – und seine eigene, recht konkrete Utopie von einer anderen, friedlichen und demokratischen Staatlichkeit für Israelis und Palästinenser dagegensetzt.
Daniel Alexander Schacht zeichnet Boehms Argumentationslinien nach, illustriert seine Exkursionen in Geschichte und Gegenwart israelischen Vordringens und palästinensischer Verdrängung mit teils historischen, teils aktuellen Bildern – und lädt zu einer Diskussion von Boehms provozierenden Thesen ein, die Chancen und Grenzen des von Boehm anstelle der Zwei-Staaten-Lösung favorisierten binationalen Staates von Israelis und Palästinensern ausloten soll.

 

Mittwoch, 28.04.21 – 19.00 Uhr
Referent: Shir Hever
Die israelisch-deutschen Rüstungsbeziehungen und ihre politischen Implikationen
Ort: Online-Veranstaltung über Zoom
Dass die deutsch-israelischen Beziehungen auch im Rüstungssektor sehr eng sind, dürfte bekannt sein. Am 20. März diesen Jahres erschien in der Süddeutschen Zeitung ein ausführlicher Artikel über die deutschen U-Boot-Lieferungen, in dem auch dem Verdacht auf korruptive Verwicklungen von Regierungskreisen nachgegangen wurde. Durch diese Reportage wurden wir angeregt, das Thema der Rüstungsgeschäfte, das über U-Boot-Lieferungen weit hinausgeht, zu vertiefen.
Dr. Shir Hever – in Israel geboren und aufgewachsen –  ist Aktivist und Forscher und lebt in Heidelberg. Er ist Geschäftsführer des Bündnisses für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern (BIP e.V.).

 

Montag, 17.05.21 – 19.00 Uhr
Referent: Mitri Raheb
Hoffnung für Palästina? Die palästinensische Zivilgesellschaft im alltäglichen Kampf gegen den ‚doppelten Lockdown’ 
Ort: Online-Veranstaltung über Zoom
Dr. Mitri Raheb ist der vielfach international geehrte Gründer und Präsident des Bildungszentrums “Dar al Kalima” in Bethlehem, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum unter schwierigsten Bedingungen begeht. Heute ist Dar al Kalima ein großes Bildungszentrum mit Hochschule, allgemeinbildenden Abteilungen sowie außerschulischen Einrichtungen.
Mitri Raheb war von Juni 1987 bis Mai 2017 leitender Pfarrer der Lutherkirche in Bethlehem und von 2011 bis 2016 Präsident der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land. 2018 wurde er in den Palästinensischen Nationalrat und in den Palästinensischen Zentralrat gewählt. Er ist Autor von 18 Büchern und Gründungs- und Vorstandsmitglied der Nationalbibliothek Palästinas sowie Gründungsmitglied und Autor von Kairos Palestine. In Theologie promoviert er an der Philipps-Universität Marburg.
Mitri Raheb wird über die politische Dimension der Bildungsarbeit berichten, über seine Einschätzungen zu den leider verschobenen palästinensischen Wahlen sprechen und zur Rolle der internationalen Staatenwelt, insbesondere Deutschland. Eine Veranstaltung u.a. vom Arbeitskreis–Nahost Bremen und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft Bremen.

Die zwei von Sönke Hundt bearbeiteten Videos dieser Veranstaltung sind jetzt freigeschaltet worden und zwar in zwei Ausgaben. Die Langfassung mit Referat  +  Diskussion + Interview (1h54min) finden Sie hier:

Die kürzere Fassung enthält “nur” das Referat (40min): youtu.be/Dog6hoDMKDc
Beide Videos finden Sie auch auf www.nahost-forum-bremen.de.

 

Montag, 14.06.21 – 19.30 Uhr
Referent: Imad Mustafa
Zur politischen Rolle von antimuslimischem Rassismus in Deutschland
Ort: Online-Veranstaltung über Zoom
Anlässlich der Protestdemonstrationen im Mai gegen die Politik Israels gab es in Medien und Politik viele Verlautbarungen gegen ‚migrantischen‘ bzw. ‚muslimischen‘ Antisemitismus. An diesem Abend möchten wir diese Äußerungen in einen weiteren Zusammenhang stellen: Migration, Integration und sogenannte Islamkritik sind seit Jahren Themen in Medien und Öffentlichkeit. Muslim*innen werden oft einem Generalverdacht ausgesetzt und als gefährlich markiert, indem sie als außerhalb europäischer Normen sozialisierte Gruppe konstruiert werden, die das böse Andere europäischer Zivilisiertheit darstellt. Gewalt, Antisemitismus, Frauenunterdrückung, Fundamentalismus werden externalisiert und auf Muslim*innen projiziert, so als gäbe es diese Phänomene hier nicht.
Zugleich unterwerfen Polizei- und Geheimdienstapparate Muslim*innen einem Kontrollregime, das muslimisches Leben in Deutschland immer weiter erfasst und dokumentiert. Immer öfter wird islamische Religiosität in die Nähe von Extremismus gerückt, ganze Gemeinden dadurch stigmatisiert. Jüngstes Beispiel sind die beiden Islamkarten des „Dokumentationszentrums Politischer Islam“ in Wien und die Karte von tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber (Moscheepedia).
Die Veranstaltung will diesen Konstruktionen kritisch nachspüren; nachfragen, was sogenannte Islamkritik und antimuslimischer Rassismus im westlich-europäischen (Sicherheits-)Diskurs überhaupt für eine Funktion erfüllen, welche diskursiven Verschiebungen und Überlappungen mit islamischer Religiosität stattfinden und wie sich Musliminnen und Muslime sowie progressive Verbündete dagegen wehren können.
Imad Mustafa arbeitet am Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt. Er promovierte dort am Lehrstuhl für Vergleichende Analyse von Mediensystemen und Kommunikationskulturen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Demokratisierungs- und Bewegungsforschung, Nahostforschung, Rechtspopulismus, Islam in Deutschland und antimuslimischem Rassismus. Im Juli erscheint sein neues Buch “Revolution und defekte Transformation in Ägypten”.

 

 

Donnerstag, 02.12.2021 – 19.00 Uhr
Referent: Sami Hussein (Jericho/Hildesheim)

Gesundheit unter Besatzung
Ort: Freizeitheim Döhren
Es wird von Prof. Dr. Hussein die gesundheitliche Lage der Bevölkerung in Palästina und die Gesundheitsversorgung dargestellt. Haben alle gleichermaßen Zugang zur Gesundheitsversorgung, zu Medikamenten, Impfstoffen, Prothesen, Krankenhäusern? Welche Unterschiede gibt es bei der Versorgung der israelischen und palästinensischen Bevölkerung? Welche Unterschiede gibt es bei der Impfsituation der palästinensischen und israelischen Bevölkerung? Wäre eine Aufhebung des Patentschutzes von Vorteil? Wie ist der Einfluss der Besatzung auf die Gesundheitsversorgung?
Der Referent Prof. Dr. Sami Hussein, der nach seiner Tätigkeit als renommierter Neurochirurg an der MHH und als Chefarzt in Hildesheim den Entschluss fasste, als Spezialist nach Jerusalem und Jericho zu gehen, kennt sich dort sehr gut aus und referiert aus aktueller Sicht.

 

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