FORUM PALÄSTINA


cropped-Icon.png20 Jahre Paläs­tina Initia­tive Region Hanno­ver 2002 — 2022
Den Fest­vor­trag von Tsafrir Cohen, Geschäfts­füh­rer von medico inter­na­tio­nal, das Gruß­wort von Nazih Mush­ar­bash, Präsi­dent der Deutsch-Paläs­ti­nen­si­schen Gesell­schaft sowie Einla­dung und Programm unse­rer Feier am 14. März 2023 finden Sie unter Aktu­el­les
.


Liebe Paläs­tina- und Israel-Interessierte,
unsere Reihe FORUM setzen wir im August fort:

 
Diens­tag, 6. August 2024 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Daniel Marwe­cki (Berlin)
Die Entwick­lung der deutsch-israe­li­schen Bezie­hun­gen von Adenauer bis heute:
Reha­bi­li­ta­tion, Norma­li­sie­rung, “Staats­rä­son”.
Ort: Fzh. Linden, Wind­heim­str. 4, 30451 Hanno­ver, Stadt­bahn­li­nie 10 (Frei­zeit­heim Linden)
Wenn Deut­sche über Israel reden, reden sie meist über sich selbst. Deswe­gen ist die eigent­li­che Bezie­hungs­ge­schichte zwischen Deutsch­land und Israel weit­ge­hend unbe­kannt. Reden deut­sche Poli­ti­ker über diese Bezie­hun­gen, so fallen Wörter wie »Wunder« oder »Versöh­nung«. Wörter, hinter denen eher Wunsch­den­ken als Reali­tät steckt. Nach der israe­li­schen Staats­grün­dung von 1948 war es ausge­rech­net die Bundes­re­pu­blik, die zur wich­tigs­ten Unter­stüt­ze­rin des jüdi­schen Staa­tes wurde. Repa­ra­tio­nen, Waffen­lie­fe­run­gen und Finanz­mit­tel halfen, aus dem exis­ten­zi­ell bedroh­ten Land eine Regio­nal­macht zu formen. Kein Wunder, dass Israel die ausge­streckte deut­sche Hand annahm: eine andere Wahl hatte es kaum. Von Versöh­nung aber war keine Rede. Niemand machte sich darüber Illu­sio­nen, dass in Deutsch­land ehema­lige Natio­nal­so­zia­lis­ten Karriere mach­ten – und mit der Isra­el­hilfe ihre bluti­gen Hände in Unschuld wuschen.
Daniel Marwe­cki lehrt Inter­na­tio­nale Bezie­hun­gen an der Univer­sity of Hong Kong. Er hat 2018 an der SOAS Univer­sity of London promo­viert. Sein Buch »Germany and Israel: White­washing and State­buil­ding« erschien 2018 bei Hurst Publishers, auf Deutsch unter dem Titel Abso­lu­tion? Israel und die deut­sche Staats­rä­son“ beim Wall­stein Verlag in Göttin­gen. Seine jour­na­lis­ti­schen Beiträge erschie­nen unter ande­rem in Le Monde Diplo­ma­tique, taz, Unherd und Jacobin.

Paläs­tina Initia­tive Region Hannover

 

FORUM-Veran­stal­tun­gen 2024


Diens­tag, 6. August 2024 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Daniel Marwe­cki (Berlin)
Die Entwick­lung der deutsch-israe­li­schen Bezie­hun­gen von Adenauer bis heute:
Reha­bi­li­ta­tion, Norma­li­sie­rung, “Staats­rä­son”.
Ort: Fzh. Linden, Wind­heim­str. 4, 30451 Hanno­ver, Stadt­bahn­li­nie 10
(siehe oben)

 

Montag, 17. Juni 2024 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Andreas Zumach (Berlin)
Gespal­tene Wahr­neh­mung: wie die Welt auf den Gaza­krieg blickt.
Ort: Frei­zeit­heim Vahren­wald (Hanno­ver), Vahren­wal­der Str. 92, Stadt­bahn Drago­ner­str., Klei­ner Saal

Kein Thema entzweit die Welt der 193 UNO-Staa­ten und ihrer Bevöl­ke­run­gen schon so lange und so stark wie der Konflikt Israel/Palästina. Die gegen­sätz­li­chen Reak­tio­nen auf den seit Okto­ber letz­ten Jahres toben­den Gaza­krieg zeigen das in aller Schärfe. Den einen Extrem­pol bilden die USA und Deutsch­land mit ihrer bedin­gungs­lo­sen und fast kritik­freien Unter­stüt­zung der israe­li­schen Regie­rung. Den Gegen­pol bilden Südafrika und Nica­ra­gua mit ihren Klagen vor dem Inter­na­tio­na­len Gerichts­hof gegen Israel wegen Völker­mord und gegen Deutsch­land wegen Behilfe zu diesem Verbre­chen. Zwischen diesen beiden Polen grup­pie­ren sich die übri­gen 189 Staa­ten. Lassen sich dort neben Stel­lung­nah­men unter völker­recht­li­chen Gesichts­punk­ten noch weitere Motive finden, die z.B. durch eigen­stän­dige Inter­es­sen aber auch durch Abhän­gig­kei­ten und Einfluss­sphä­ren bestimmt sind? Welche Rolle spielt die Öffent­lich­keit in den jewei­li­gen Ländern und welchen Platz nehmen histo­ri­sche Erfah­run­gen ein? Tendiert die Welt zu einer neuen Block­bil­dung und liefern dabei Theo­rien eines Nord-Süd-Gegen­sat­zes einen Erklä­rungs­an­satz? Mit diesen und weite­ren Fragen wird sich Andreas Zumach in seinem Vortrag ausein­an­der­set­zen. Er bringt reich­hal­tige inter­na­tio­nale Erfah­run­gen mit zu den diver­sen Konflik­ten im Nahen und Mitt­le­ren Osten sowie zu Fragen des Völker­rechts, der Sicher­heits­po­li­tik und Menschen­rechts­the­men. Von 1988 — 2020 arbei­tete Zumach als Korre­spon­dent der taz und vieler ande­rer Zeitun­gen, Hörfunk und Fern­seh­sen­der bei der UNO in Genf. Heute lebt er als freier Jour­na­list, Buch­au­tor und Vortrags­re­fe­rent in Berlin.

 

Montag, 27. Mai 2024 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Sven Kühn v. Burgsdorff
Kann die EU Paläs­tina retten? Die Rolle der EU im Nahen Osten ange­sichts der inter­na­tio­na­len Kräfteverhältnisse
Ort: Frei­zeit­heim Vahren­wald, Vahren­wal­der Str. 92, Stadt­bahn Drago­ner­str., Klei­ner Saal
Dr. Sven Kühn von Burg­s­dorff studierte Poli­tik­wis­sen­schaft und Völker­recht, seit dem Eintritt in den Dienst der Euro­päi­schen Union 1992 war er bis zu seinem Ruhe­stand auf mehre­ren Konti­nen­ten als Diplo­mat tätig, darun­ter zuletzt von Januar 2020 bis Juli 2023 in Jeru­sa­lem als Reprä­sen­tant der Euro­päi­schen Union in den Besetz­ten Paläs­ti­nen­si­schen Gebie­ten. Hervor­zu­he­ben sind seine Erfah­run­gen in Media­tion und in der Umset­zung loka­ler Friedensprozesse.
Er wird über seine mehr­jäh­ri­gen Erfah­run­gen als Diplo­mat der EU im Nahen Osten berich­ten, Hand­lungs- und Einfluss­mög­lich­kei­ten in seiner Posi­tion aufzei­gen und dabei auf einige Fragen einge­hen, die sich dem aufmerk­sa­men Beob­ach­ter der Vorgänge stel­len: Wie gestal­tet sich der Kontakt zu den Akteu­ren vor Ort? Wird die EU von ihnen als wich­ti­ger Faktor wahr­ge­nom­men? Inwie­weit kann sie als einheit­li­cher Block nach außen auftre­ten? Werden ihre Einfluss­mög­lich­kei­ten dadurch begrenzt, dass unter­schied­li­che Sehwei­sen der einzel­nen Staa­ten nicht zu über­se­hen sind? Welche Rolle spielt Deutsch­land in der EU im Kontext der Nahost­po­li­tik, gibt es gar den Ton an? Zu fragen wird auch sein, ob und inwie­weit die EU im Nahen Osten ange­sichts der regio­na­len und den Auswir­kun­gen globa­ler Macht­ver­hält­nisse über­haupt Einfluss ausüben kann und schließ­lich: Mit welchem Konzept kann sie seiner reichen diplo­ma­ti­schen Erfah­rung nach zu einer Frie­dens­lö­sung beitra­gen? Diese und weitere Themen­fel­der  werden an dem Abend auch Anlass zur regen Debatte mit dem Publi­kum geben.

 

Diens­tag, 7. Mai 2024 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Johann Weng (Osna­brück)
Anti­se­mi­tis­mus in Deutsch­land — histo­risch bis aktuell
Ort: Frei­zeit­heim Vahren­wald, Vahren­wal­der Str. 92, Stadt­bahn Drago­ner­straße, Klei­ner Saal
Johann Weng ist lang­jäh­ri­ges Mitglied der Deutsch-Paläs­ti­nen­si­schen Gesell­schaft und Vorsit­zen­der der DPG-Regio­nal­gruppe Osnabrück.
Die deut­sche und euro­päi­sche Geschichte kennt viele Ereig­nisse und Formen des Anti­se­mi­tis­mus. Jahr­hun­derte lang prägte der christ­li­che Anti­ju­da­is­mus ein nega­ti­ves Bild vom Juden­tum. Im 19. und 20. Jahr­hun­dert domi­nier­ten biolo­gis­ti­sche und rassis­ti­sche Theo­rien, später führte der natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Juden­hass zu millio­nen­fa­cher Vernichtung.
Über viele Jahre durch­ge­führte wissen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen bele­gen das Vorhan­den­sein eines brei­ten Spek­trums von anti­se­mi­ti­schen Vorstel­lun­gen in der deut­schen Bevöl­ke­rung. Beson­ders im Zusam­men­hang mit den Gaza­krie­gen der letz­ten 20 Jahre häufen sich in der Poli­tik und den Medien Berichte über den stark „zuneh­men­den Anti­se­mi­tis­mus.“ Seit dem 7. Okto­ber 2023 ist dies beson­ders inten­siv verbun­den mit der Diskus­sion um den „anti­is­rae­li­schen“, „isla­mi­schen“ und den „impor­tier­ten“ Judenhass.
Aber ist das Anti­se­mi­tis­mus? Es werden mehrere Anti­se­mi­tis­mus­de­fi­ni­tio­nen und deren Eignung erör­tert. Beispiele aus der Bericht­erstat­tung zum Gaza­krieg und zu den „Skan­da­len“ um die docu­menta und die Bien­nale aktua­li­sie­ren den Vortrag.

 

Mitt­woch, 7. Februar 2024 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Shir Hever (Heidel­berg)
Spyware und andere Tech­ni­ken der Unterdrückung
Ort: Stadt­teil­zen­trum Vahren­wald, Vahren­wal­der Straße 92, Stadt­bahn Drago­ner­straße, Klei­ner Saal
Tech­no­lo­gie ist eine Erwei­te­rung des mensch­li­chen Körpers, sie kann für produk­tive und nütz­li­che Zwecke einge­setzt werden oder Schmer­zen und Tod verur­sa­chen. Im Juli 2021 deck­ten Amnesty Inter­na­tio­nal, Forbidden Stories und Citi­zen Lab auf, wie israe­li­sche Unter­neh­men welt­weit führend im Einsatz von Spyware sind, um Menschen­rechte zu verlet­zen und in die Privat­sphäre von Menschenrechtsaktivist:innen, Anwält:innen, Politiker:innen und Journalist:innen einzu­drin­gen. Die Spyware hat sich in der ganzen Welt verbrei­tet, auch in der Euro­päi­schen Union und in Deutschland.
Als sich Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den und Regie­run­gen aufgrund ihrer guten Bezie­hun­gen zu Israel weiger­ten, Spyware zu stop­pen, öffne­ten sie nicht-israe­li­schen Unter­neh­men die Tür, um eben­falls in den Markt einzutreten.
Die Kombi­na­tion aus Spio­na­ge­pro­gram­men und künst­li­cher Intel­li­genz wurde bereits früher von israe­li­schen Unter­neh­men einge­setzt, um Wahlen zu beein­flus­sen und Demo­kra­tien auf der ganzen Welt zu untergraben.
Vor kurzem haben inves­ti­ga­tive Journalist:innen aufge­deckt, dass auch Israel künst­li­che Intel­li­genz als Waffe einsetzt. Der Angriff auf Gaza ist der erste Krieg, in dem künst­li­che Intel­li­genz als Waffe einge­setzt wird.
Dies hat direkte Auswir­kun­gen auf unser Leben. Wir müssen die Tech­no­lo­gie verste­hen, um Regeln für ihre sichere Nutzung und für unse­ren Schutz aufzustellen.
Dr. Shir Hever – in Israel gebo­ren und aufge­wach­sen – ist Akti­vist und Forscher und lebt in Heidel­berg. Er ist Geschäfts­füh­rer des Bünd­nis­ses für Gerech­tig­keit zwischen Israe­lis und Paläs­ti­nen­sern (BIP e.V.).

 

Diens­tag, 20. Februar 2024 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Norman Paech (Hamburg)
Wider­stands­recht, Selbst­ver­tei­di­gung und die Rolle von UN und IGH
Ort: Stadt­teil­zen­trum Vahren­wald, Hanno­ver, Vahren­wal­der Straße 92, Stadt­bahn Drago­ner­straße, Klei­ner Saal
Nach Jahr­zehn­ten der Besat­zung paläs­ti­nen­si­scher Gebiete (West­jor­dan­land und Gaza) und jahre­lan­ger Abschnü­rung des Gaza­strei­fens durch Israel hat sich der Konflikt zwischen dem Staat Israel und der paläs­ti­nen­si­schen Bevöl­ke­rung seit dem 7. Okto­ber explo­siv zuge­spitzt. Die Hamas nimmt für ihren Über­fall auf Israel ein Recht auf Wider­stand in Anspruch, Israel für seine Bombar­die­rung des Gaza­strei­fens und seiner Bevöl­ke­rung das Recht auf Selbst­ver­tei­di­gung. Was geben UN- Reso­lu­tio­nen und das Völker­recht für eine Beur­tei­lung her? Wie ist nach der Klage Südafri­kas gegen Israel vor dem Inter­na­tio­na­len Gerichts­hof in Den Haag dessen Rolle und seine vorläu­fige Entschei­dung vom 26. Januar einzu­schät­zen? Und schließ­lich stellt sich die wich­tige Frage, welche Kraft kann das Völker­recht in dieser poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Ausein­an­der­set­zung über­haupt entfal­ten? Diese Fragen wird der aner­kannte Völker­recht­ler Profes­sor Norman Paech versu­chen zu klären.
Norman Paech ist Jurist und emeri­ti­tier­ter Profes­sor für für Poli­tik­wis­sen­schaft und für Öffent­li­ches Recht an der Univer­si­tät Hamburg. Von 2005–2009 war er Mitglied des Deut­schen Bundes­ta­ges und Außen­po­li­ti­scher Spre­cher der Frak­tion DIE LINKE. Norman Paech ist u.a. im Wissen­schaft­li­chen Beirat von IALANA und IPPNW.

 

FORUM-Veran­stal­tun­gen 2023

Donners­tag, 12. Januar 2023 — 19.00 Uhr
Refe­ren­tin: Caro­line Canz­ler (Fried­richs­ha­fen)
Zwei Monate Erfah­run­gen unter Menschen in Palästina
Ort: Hanno­ver, Stadt­teil­zen­trum Lister Turm
Die Studie­rende Caro­line Canz­ler war im Sommer 2022 für zwei Monate in Ramal­lah, Paläs­tina. Dort war sie im Istis­hari Arab Hospi­tal tätig und wirkte im Bereich „Social Affairs“ mit. In ihrem Vortrag wird sie über ihre Erfah­run­gen und Eindrü­cke dort berich­ten, sowohl aus der Klinik als auch ihrem Lebens­um­feld in der Frei­zeit. Sie berich­tet, wie Menschen aus unter­schied­li­chem Kontext unter der Besat­zung leben und welche Einstel­lun­gen und Perspek­ti­ven sich daraus erge­ben. Sie lernte, z. T. beglei­tet von Dr. Sami Hussein, auch viele andere Orte in Paläs­tina kennen, sowohl in der A‑, B‑, als auch C‑Zone, fuhr an ille­ga­len Sied­lun­gen vorbei und erlebte an den Check­points schwer­be­waff­nete junge Soldat*innen. Diese Bilder, Reali­tä­ten und Geschich­ten und Erfah­run­gen, die sie tief beein­druckt haben, würde sie gerne mit dem Publi­kum teilen und lädt auf eine offene Diskus­si­ons­runde im Anschluss ein.

 

Mitt­woch, 1. März 2023 — 19.30 Uhr
Refe­ren­tin: Char­lotte Wiedemann
Den Schmerz der Ande­ren begrei­fen — Holo­caust und Weltgedächtnis
Ort: Stadt­bi­blio­thek Hanno­ver, Hildes­hei­mer Str. 12, Hannover

Geprägt vom Schwei­gen in der eige­nen Fami­lie verfolgt Char­lotte Wiedemann die deut­schen Debat­ten über die NS-Verbre­chen seit Jahr­zehn­ten. Welche Opfer haben eine Stimme? Was steu­ert unsere Empa­thie? Kann es ein Erin­nern geben, das an Gerech­tig­keit, mensch­li­cher Gleich­heit und Soli­da­ri­tät orien­tiert ist? Char­lotte Wiedemann beschreibt diese Suche nach Antwor­ten als einen Dialog zwischen zwei Anlie­gen, die ihren eige­nen Lebens­weg präg­ten: Als Deut­sche die Verant­wor­tung für die NS-Verbre­chen im Zentrum unse­res Bewusst­seins halten und zugleich einen vereng­ten euro­zen­tri­schen Blick auf Geschichte über­win­den. „Staats­grün­dung [Isra­els] und Nakba lassen sich nicht von der Geschichte des euro­päi­schen Anti­se­mi­tis­mus tren­nen, beides ist damit auch Teil unse­rer gemein­sa­men Geschichte,“ sagt die Autorin. Aber es geht nicht nur um Paläs­tina, Israel und deut­sche Geschichte. Für die Betrach­tung von Geschichte welt­weit ist nach Wiedemann ein neues Zeit­al­ter ange­bro­chen: es geht um die Über­win­dung eines ‘weißen’ Geschichts­den­kens, um ein neuver­stan­de­nes Welt­ge­dächt­nis — im Spie­gel der Leiden der Ande­ren. Deshalb freuen wir uns, diese Lesung in Koope­ra­tion mit dem Freun­des­kreis Hanno­ver — Diya­bar­kir, der Kurdi­schen Gemeinde Deutsch­lands, Sektion Nieder­sach­sen und der VVN zu veranstalten.

 

Diens­tag, 23. Mai 2023 — 19:00 Uhr
Film­vor­füh­rung mit anschlie­ßen­der Diskussion
Der Große Bücherraub
Ort: Frei­zeit­heim Lister Turm, Walder­see­str. 100, 30177 Hanno­ver, Raum 16
DER GROSSE BÜCHERRAUB (57 Minu­ten) erzählt chro­no­lo­gisch von der syste­ma­ti­schen Plün­de­rung von über 70.000 paläs­ti­nen­si­schen Büchern durch den neu gegrün­de­ten Staat Israel im Jahr 1948. Der Doku­men­tar­film des nieder­län­disch-israe­li­schen Filme­ma­chers Benny Brun­ner geht in verschie­de­nen Hand­lungs­strän­gen einer Struk­tur nach, die sowohl drama­tisch fesselnd als auch emotio­nal verstö­rend ist. Im Mittel­punkt der Inter­views stehen Zeit­zeu­gen­be­richte und Kultur­kri­ti­ken, die die Bücher­dieb­stahl-Affäre in einen größe­ren histo­risch-kultu­rel­len Kontext stel­len. Dabei wird die paläs­ti­nen­si­sche Tragö­die von 1948 neu beleuch­tet und das mora­lisch-heroi­sche israe­li­sche Narra­tiv des Krie­ges von 1948 wider­legt. Der Doku­men­tar­film, der auf einer wissen­schaft­li­chen Disser­ta­tion basiert, wird durch zahl­rei­che Gesprä­che und Inter­views mit israe­li­schen und paläs­ti­nen­si­schen Autoren und Wissen­schaft­lern sowie Zeit­zeu­gen ergänzt.
Eine geneh­migte Version in deut­scher Spra­che exklu­siv für die Deutsch-Paläs­ti­nen­si­sche Gesell­schaft e.V.
Veran­stal­ter: Deutsch-Paläs­ti­nen­si­sche Gesell­schaft e.V. und Paläs­tina Initia­tive Region Hannover

 

Montag, 12. Juni 2023 — 19.00 Uhr
Refe­ren­tin: Sarah El Bulbeisi (Beirut)
Paläs­ti­nen­si­sches Trauma und Identität
Ort: Stadt­teil­zen­trum Lister Turm, Walder­see­str. 100, 30177 Hanno­ver, Raum 16
Dr. Sarah El Bulbeisi ist wissen­schaft­li­che Mitar­bei­te­rin am Orient-Insti­tut Beirut (OIB), wo sie nach ihrer Promo­tion am Insti­tut für Nah- und Mittel­ost­stu­dien der Ludwig-Maxi­mi­lian-Univer­si­tät München (LMU) seit Novem­ber 2019 arbei­tet. Vor dem OIB koor­di­nierte sie das DAAD-Projekt „Violence, Forced Migra­tion and Exile: Trauma in der arabi­schen Welt und in Deutsch­land“, einen Hoch­schul­dia­log zwischen paläs­ti­nen­si­schen und liba­ne­si­schen Univer­si­tä­ten sowie mit der LMU München. Dr. Sarah El Bulbeisi ist Kind eines paläs­ti­nen­si­schen Vaters.
Als Schluss­fol­ge­rung ihrer Forschun­gen defi­niert sie die Tatsa­che, dass die Erfah­run­gen und Erleb­nisse, die Palästinenser*innen während und nach ihrer Flucht und Vertrei­bung seit 1948 erfah­ren haben und hier in der Öffent­lich­keit nicht aner­kannt werden, als “diskur­sive Gewalt”. Was die drama­ti­schen Folgen der Nakba — die im Prin­zip bis heute durch stille Vertrei­bung per Land­raub, Sied­lungs­bau, Haus- und Oliven­plan­ta­gen­zer­stö­run­gen anhält — und ihrer Tabui­sie­rung für die Iden­ti­täts­bil­dung vor allem auch junger Palästinenser*innen in der Diaspora bedeu­ten, steht im Zentrum der Unter­su­chung. Einge­grenzt hat sie ihre Recher­chen auf 2 Gene­ra­tio­nen Palästinenser*innen, die selbst Flucht und Vertrei­bung erfah­ren hatten und deren Kinder, die zumeist schon hier gebo­ren und aufge­wach­sen sind.

Hier finden Sie eine zuge­spitzte Kurz­ver­sion ihres Vortrags:
Über den Schmerz des Verschwei­gens. Palästinenser:innen in Deutsch­land und in der Schweiz

 

Diens­tag, 25. Juli 2023 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Ehud Krinis (Villa­ges Group)
Thema: Die stille Vertrei­bung — ’silent trans­fer’ — der Palästinenser*innen aus den C‑Gebieten der Westbank
Ort: Stadt­teil­zen­trum Lister Turm, Walder­see­str. 100, 30177 Hanno­ver, Raum 16
Ehud Krinis ist jüdisch-israe­li­scher Wissen­schaft­ler. Vor 20 Jahren grün­dete Ehud Krinis eine kleine Frie­dens­gruppe namens ‘Villa­ges Group’. Ihr Haupt­ziel ist es, den von weite­rer Vertrei­bung bedroh­ten Palästinenser*innen im südli­chen Hebron-Gebiet im West­jor­dan­land vor allem durch die Förde­rung der Bildung zu helfen, das Leben in ihren Gemein­den zu verbes­sern. Ehud Krinis wird Ende Juli/Anfang August in Deutsch­land sein anläss­lich einer Tagung der Gesell­schaft für Judäo-Arabi­stik, die an der Ludwig-Maxi­mi­li­ans-Univer­si­tät München statt­fin­den wird. Diese Wissen­schafts­dis­zi­plin befasst sich mit der Entwick­lung und der Heraus­bil­dung von Gattun­gen und Wissens­dis­zi­pli­nen in der judäo-arabi­schen Literatur.
Zum Hinter­grund seines Vortrags: Die südli­chen Hebron-Berge (Massa­far Yatta) sind eine Gebirgs­re­gion im südli­chen Teil des West­jor­dan­lan­des. Viele ihrer Bewoh­ner leben in tradi­tio­nel­len Dörfern. Während der Jahre der israe­li­schen Besat­zung wurden einige dieser Höhlen­dör­fer von der Armee zerstört, während andere unter dem Druck der israe­li­schen Sied­ler verlas­sen wurden. Dieje­ni­gen, die noch exis­tie­ren, wurden vor der Vertrei­bung durch die israe­li­schen Behör­den geret­tet dank der Zusam­men­ar­beit von Anwoh­nern und israe­li­schen und inter­na­tio­na­len Menschen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen. Die noch vorhan­de­nen Dörfer werden von den israe­li­schen Besat­zungs­be­hör­den nicht aner­kannt. Die Poli­tik der Nicht-Aner­ken­nung bedeu­tet, dass den Dorf­be­woh­nern, die noch in dem Gebiet leben, grund­le­gende Dienst­leis­tun­gen wie Wasser, Strom und Bauge­neh­mi­gun­gen verwei­gert werden.

 

Donners­tag, 7. Septem­ber 2023 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Nazih Mush­ar­bash (Osna­brück)
Thema: Die aktu­elle poli­ti­sche Entwick­lung in Israel
Ort: Stadt­teil­zen­trum Lister Turm, Walder­see­str. 100, 30177 Hanno­ver, Raum 16
Nazih Mush­ar­bash, seit 2018 Präsi­dent der Deutsch-Paläs­ti­nen­si­schen Gesell­schaft (DPG e.V.), geht in seinem Vortrag auf die Zusam­men­set­zung und die Poli­tik der 37. israe­li­schen Regie­rung seit Grün­dung des Staa­tes Israel und auf ihre Auswir­kun­gen auf das Leben der israe­li­schen und der paläs­ti­nen­si­schen Bevöl­ke­rung ein. Benja­min Netan­jahu führt eine der umstrit­tens­ten Koali­tio­nen an: Ein Minis­ter­prä­si­dent unter Korrup­ti­ons­ver­dacht, mehrere Minis­ter als Steu­er­sün­der und Terror-Unter­stüt­zer. Haupt­ziel dieser Regie­rung ist die Schwä­chung der Kompe­tenz des Obers­ten Gerich­tes und die Umge­stal­tung des sonst säku­la­ren Staa­tes in einen jüdi­schen Staat. Kriti­ker bezwei­feln, ob Israel “demo­kra­tisch” und zugleich “jüdisch” sein kann. Darüber hinaus verfolgt die neue Regie­rung, erst­ma­lig schrift­lich fixiert, die Anne­xion der West­bank, die Besied­lung weite­rer Gebiete durch jüdi­sche Israe­lis, die völker­recht­lich nicht zu Israel gehö­ren, eine Israe­li­sie­rung der West­bank durch weitere Enteig­nun­gen, die Einver­lei­bung von Ost-Jeru­sa­lem, Depor­ta­tio­nen der einhei­mi­schen paläs­ti­nen­si­schen Bevöl­ke­rung und Schwä­chung der Paläs­ti­nen­si­schen Auto­no­mie­be­hörde sowie die Verun­mög­li­chen der Zwei-Staa­ten-Lösung. Die letz­ten mili­tä­ri­schen israe­li­schen Angriffe und die Reak­tion der frus­trier­ten paläs­ti­nen­si­schen Jugend­li­chen werden erör­tert und diskutiert.
Nazih Mush­ar­bash lebt seit 1965 in Deutsch­land. Gebo­ren 1946 in Amman/Jordanien, Abitur in Beth­le­hem und Beit Jala (Paläs­tina), nach Studium in Olden­burg Real­schul­leh­rer und ‑rektor, enga­gierte sich jahr­zehn­te­lang als Rats­mit­glied und Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­ter und war Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter im Nieder­säch­si­schen Landtag.

Hier folgen der Vortrags­text und die Power­point-Folien.

 

Donners­tag, 19. Okto­ber 2023 — 19.00 Uhr
Refe­ren­tin: Karin Leuke­feld (Bonn/Damaskus)
Thema: Neue Konstel­la­tio­nen im Nahen Osten und ihre Bedeu­tung für Israel/Palästina
Ort: Stadt­teil­zen­trum Vahren­wald, Vahren­wal­der Str. 92, Stadt­bahn Drago­ner­str., Kl. Saal
Im Nahen Osten spie­len sich allem Anschein nach wich­tige Verschie­bun­gen der Macht­ver­hält­nisse ab. Die bedeu­tendste ist die über­ra­schende Annä­he­rung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Ihre Feind­schaft schien bisher eine grund­le­gende Konstante der Bezie­hun­gen in der Region zu sein. Diese Ände­rung zieht weitere nach sich wie z. B. die Reinte­gra­tion von Assads Syrien in die Arabi­sche Liga oder die Aussicht auf ein Ende des Krie­ges im Jemen. Was sind die Auswir­kun­gen auf Isra­els Poli­tik? Werden Tenden­zen zu einem Mili­tär­schlag gegen den Iran gebremst oder gar länger­fris­tig ein Sinnes­wan­del in der Poli­tik gegen­über der paläs­ti­nen­si­schen Bevöl­ke­rung in Gang gesetzt? Und vor allem: Wie verschie­ben sich die Einflüsse der auswär­ti­gen Groß­mächte mit ihren mögli­chen Rück­wir­kun­gen? Stich­worte: Aufstieg Chinas, schwin­den­der Einfluss der USA. Karin Leuke­feld, Jour­na­lis­tin mit lang­jäh­ri­gen Erfah­run­gen in der Region wird versu­chen, in ihrem Vortrag den Stand der Dinge zu analy­sie­ren und mögli­che Entwick­lun­gen aufzuzeigen.

Karin Leuke­feld über­nahm Schau­bil­der und Karten ihres Vortrags aus Berich­ten des Watson-Insti­tuts in den USA und empfiehlt dazu folgende Links, unter denen man sich — aller­dings in Englisch — die ganzen Schau­bil­der und Berichte anse­hen kann:
https://watson.brown.edu/costsofwar/
https://watson.brown.edu/costsofwar/papers/2023/IndirectDeaths
Außer­dem verwies sie auf einen Link zu einem Arti­kel von ihr in den Nach­Denk­Sei­ten, der sich mit dem für die Region bedeut­sa­men Kontext und den Folgen des Krie­ges gegen den Terror seit 2001 beschäftigt:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=98728

 

Mitt­woch, 8. Novem­ber 2023 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Shir Hever (Heidel­berg)
Thema: Die Nakba aus einer jüdisch-israe­li­schen Perspektive
Ort:
Stadt­teil­zen­trum Vahren­wald, Vahren­wal­der Str. 92, Stadt­bahn Drago­ner­str., Kl. Saal
Die Nakba ist in der israe­li­schen Gesell­schaft ein sehr belas­te­ter Begriff. Zwischen den Versu­chen, sie zu verdrän­gen, zu leug­nen oder sie als Waffe zur Bedro­hung der Palästinenser:innen einzu­set­zen, gibt die Nakba den Israe­lis keine Ruhe. Die Palästinenser:innen, die 1948 aus ihren Häusern vertrie­ben wurden, spuken weiter­hin im israe­li­schen Unter­be­wusst­sein. Je mehr die Israe­lis versu­chen, die Nakba zu verges­sen, desto hart­nä­cki­ger wird die Erin­ne­rung daran. In diesem Vortrag wird Shir Hever über seine eigene Kind­heit spre­chen und darüber, wie er von der Nakba erfuhr und wie seine eigene Fami­lie in den Krieg von 1948 und die anhal­ten­den Bemü­hun­gen, die Ereig­nisse zu verdrän­gen, verwi­ckelt war.
Dr. Shir Hever – in Israel gebo­ren und aufge­wach­sen – ist Akti­vist und Forscher und lebt in Heidel­berg. Er ist Geschäfts­füh­rer des Bünd­nis­ses für Gerech­tig­keit zwischen Israe­lis und Paläs­ti­nen­sern (BIP e.V.).

Die Ausfüh­run­gen von Shir Hever zu og. Thema können Sie nach­le­sen unter https://bip-jetzt.de/2023/06/03/bip-aktuell-262-die-nakba-aus-einer-juedisch-israelischen-perspektive/

 

Mitt­woch, 29. Novem­ber 2023 — 19:00 Uhr
Refe­ren­tin: Tamar Amar-Dahl
Thema: Neozio­nis­mus, Besat­zung und Krieg in Israel/Palästina
Ort: Stadt­teil­zen­trum Vahren­wald, Vahren­wal­der Str. 92, Stadt­bahn Dragonerstraße
Der Angriff der Hamas auf israe­li­sche Ortschaf­ten nahe Gaza entfachte einen neuen Gaza-Krieg. Isra­els offi­zi­el­les Kriegs­ziel, die mili­tä­ri­schen Kapa­zi­tä­ten der Hamas zu vernich­ten und ihr Regime in Gaza zu stür­zen, wurde in Israel unan­ge­foch­ten hinge­nom­men. Ange­sichts des Ausma­ßes der Atta­cke wird der gegen­wär­tige Krieg sogleich als klas­si­scher Vertei­di­gungs-Krieg wahr­ge­nom­men. Zwei­fel über die Mach­bar­keit solcher Ziel­set­zun­gen blei­ben dabei außen vor, auch die Frage des verhee­ren­den Prei­ses an Menschen­le­ben und der Zerstö­run­gen eines solchen „Vernich­tungs­krie­ges“. Die Kontext-Frage findet erst recht kaum Platz im israe­li­schen Diskurs. Dabei war der 7. Okto­ber als Höhe­punkt im anlau­fen­den Jahr gedacht. Netan­jahu löste seit Januar 1923 mit der „Justiz­re­form“ seiner sechs­ten Regie­rung zur Schwä­chung der Demo­kra­tie in Israel beispiel­lose, da dauer­hafte Massen-demons­tra­tio­nen über neun Monate aus: Das ganze Land war so gespal­ten, dass sogar ein inner­jü­di­scher Bürger­krieg befürch­tet wurde. Wer sind die Kontra­hen­ten dieses inner­jü­di­schen Kamp­fes und wie hängt dieser mit dem israe­lisch-paläs­ti­nen­si­schen Konflikt zusam­men? Die Antwort der israe­lisch-deut­schen Histo­ri­ke­rin Amar-Dahl liegt im hier­zu­lande wenig bekann­ten Begriff des „Neozio­nis­mus“. In ihrem neuen Buch arbei­tet sie die Poli­ti­schen Verhält­nisse Isra­els in den letz­ten drei Jahr­zehn­ten heraus. Ihr Fazit: Die Jahr­tau­send­wende markierte eine Zäsur: Isra­els Entschei­dung, den bewaff­ne­ten Volks­auf­stand der Paläs­ti­nen­ser 2000 als Terro­ris­mus einzu­stu­fen und nieder­zu­schla­gen, diente als Legi­ti­ma­tion des Besat­zungs­sys­tems und schwächte die link­szio­nis­ti­schen Kreise mit ihrer Frie­dens­ideo­lo­gie. In der tiefs­ten Sinn­krise des Landes verscho­ben sich die poli­ti­schen Verhält­nisse, so dass rechts­ra­di­kale Kräfte zunächst salon­fä­hig und dann immer stär­ker wurden. Die Wieder­wahl von Netan­jahu 2009 und 2022 markiert den Sieges­zug des Neozio­nis­mus. Die folgen­den Fragen stehen im Fokus des Vortrags:
—  Wie entsteht in Israel der Konsens für den Krieg?
—  Welche Rolle spielt dabei die 56jährige Besat­zung der Gebiete Palästinas?
—  Wie verhält sich die Okku­pa­tion zum Zivil­mi­li­ta­ris­mus, also zum gesell­schaft­li­chen Konsens für Isra­els Kriegspolitik?
—  Inwie­weit erle­ben wir mit der seit Jahren andau­ern­den Regie­rungs­krise eine Art Implo­sion des poli­ti­schen Systems?
—  Welche Rolle spielt dabei der umstrit­tene Premier­mi­nis­ter Benja­min Netanjahu?
—  Der 07.10.2023: Der Anfang vom Ende des zionis­ti­schen Israel?

Dr. Tamar Amar-Dahl: in Berlin ansäs­sige, unab­hän­gige israe­lisch-deut­sche Histo­ri­ke­rin befasst sich mit Isra­els Geschichte, Poli­tik und poli­ti­scher Kultur. Studium der Philo­so­phie und Geschichte in Tel Aviv, Hamburg und München. An der Ludwig-Maxi­mi­lian-Univer­si­tät München hat sie mit einer intel­lek­tu­el­len Biogra­fie über den israe­li­schen Poli­ti­ker Shimon Peres promo­viert. Unter­rich­tet hat sie an der Freien Univer­si­tät und an der Humboldt Univer­si­tät Berlin.

Radio Flora hat eine Tonauf­nahme der Veran­stal­tung erstellt und bietet diese unter folgen­dem Link als Podcast an:

Neozio­nis­mus, Besat­zung und Krieg in Israel/Palästina, Vortrag von Dr. Tamar Amar-Dahl, anschlie­ßend Diskussion

 

Montag, 11. Dezem­ber 2023 — 19 Uhr
Refe­ren­tin: Karin Gers­ter (Ramal­lah)
Thema: Das besetzte West­jor­dan­land — der 2. Kriegsschauplatz
Ort: Veran­stal­tung im Zoom-Format
In diesen Tagen rich­tet sich die öffent­li­che Aufmerk­sam­keit nach dem Wieder­be­ginn der israe­li­schen Angriffe in und auf Gaza wieder ganz auf den Gaza­strei­fen. Auch an das Massa­ker der Hamas vom 7. Okto­ber wird erin­nert. Die gestie­gene Zahl der Über­griffe der Sied­ler im West­jor­dan­land seit Beginn dieses Jahres lief weit­ge­hend unter dem Radar der öffent­li­chen Aufmerk­sam­keit. In diesen Wochen und im Schat­ten des Gaza Krie­ges jedoch haben sich die Über­griffe der Sied­ler pogrom­ar­tig verstärkt, großen­teils unter Duldung bzw. auch mit Unter­stüt­zung der israe­li­schen Armee. Wir möch­ten die Situa­tion dort näher beleuch­ten, bekannt machen und u.a. fragen, ob hinter diesem Vorgang mehr steckt als nur die Über­griffe einzelne Siedlergruppen.
Inwie­weit gibt es eine Syste­ma­tik im Vorge­hen mit dem Ziel, die Bevöl­ke­rung aus der Fläche zu vertrei­ben? Und wie nehmen die Paläs­ti­nen­si­sche Auto­no­mie­be­hörde und ihr Sicher­heits­ap­pa­rat ihre Rollen war? Wie reagie­ren die paläs­ti­nen­si­sche Gesell­schaft und die poli­ti­sche Szene?
Karin Gers­ter, Leite­rin des Büros Palästina/Jordanien der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung in Ramallah/Westbank, kann uns dazu kompe­tent und vor Ort Auskunft geben.

 

 

FORUM-Veran­stal­tun­gen 2022

Inter­es­sierte, die noch nicht in unse­rem Vertei­ler sind, melden sich bitte unter info@palaestina-initiative.de für den jewei­li­gen Vortrag oder den News­let­ter an. Der Link, der zur Teil­nahme an der Veran­stal­tung (‘Meeting’) berech­tigt, wird am Vortag der Veran­stal­tung versendet.

Donners­tag, 03.03.2022 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Claus Wali­schew­ski (Bremen)
Amnesty Inter­na­tio­nals Bericht ‘Isra­els Apart­heid gegen die Palästinenser’
Ort: Online-Veran­stal­tung über Zoom
In AI’s Bericht wird die Bezie­hung zwischen Israe­lis und Palästinenser*innen unter dem Blick­win­kel des Apart­heids­be­griffs neu analy­siert und und einer neuen Bewer­tung unter­zo­gen. So werden die vielen Menschen­rechts­ver­let­zun­gen und Diskri­mi­nie­run­gen, die AI über die Jahre doku­men­tiert hat, neu geord­net und es wird anhand vieler Beispiele sicht­bar gemacht, dass das System der Unter­drü­ckung und Diskri­mi­nie­rung fast alle Lebens­be­rei­che der Palästinenser*innen beein­flusst und dass alle Palästinenser*innen (die in Israel, in Ost-Jeru­sa­lem, in der West­bank, in Gasa und die Flücht­linge im Ausland) betrof­fen sind. Claus Wali­schew­ski ist der Spre­cher des deut­schen Able­gers des Israe­li­schen Komi­tees gegen Haus­zer­stö­run­gen (Israelian Commit­tee against House Demo­li­ti­ons — ICAHD).

Claus Wali­schew­ski hat uns freund­li­cher­weise sowohl die Inhalte der Power­point-Präsen­ta­tion des Vortrags als auch einige Begleit­ma­te­ria­lien zur Verfü­gung gestellt.

Sowohl Herr Wali­schew­ski als auch eine Teil­neh­me­rin des Zoom-Vortra­ges haben folgen­den Podcast vom WDR empfoh­len: “Vorwurf Anti­se­mi­tis­mus — Vom Umgang mit einem schar­fen Schwert”.

 

Diens­tag, 10.05.2022 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Shir Hever (Heidel­berg)
Praxis der Deko­lo­ni­sie­rung in Israel/Palästina
Ort: Online-Veran­stal­tung über Zoom
Dazu schreibt Shir Hever: Nur sehr wenige Wissenschaftler:innen in der Welt bestrei­ten nach wie vor die Rele­vanz des Kolo­nia­lis­mus-Themas für die Situa­tion in Israel/Palästina. Paläs­ti­nen­si­sche und israe­li­sche Wissenschaftler:innen auf der rech­ten und linken Seite beru­fen sich auf Theo­rien des Kolo­nia­lis­mus, Post­ko­lo­nia­lis­mus, Anti­ko­lo­nia­lis­mus und Neoko­lo­nia­lis­mus. Die entschei­dende Frage ist jedoch nicht, wie man die Lage in Israel/Palästina rich­tig defi­niert, sondern wie man sie verbes­sern kann. An dieser Stelle kommt das Thema der Deko­lo­ni­sie­rung in die Debatte. Bedeu­tet “Deko­lo­ni­sie­rung” das Ende des jüdi­schen Lebens in Paläs­tina? Können Deko­lo­ni­sie­rung und Sied­ler­ko­lo­nia­lis­mus in ein und demsel­ben Land koexis­tie­ren? Die Deko­lo­ni­sie­rung ist ein andau­ern­der und schmerz­haf­ter Prozess. Wir soll­ten aufhö­ren, den Begriff “Konflikt” zu verwen­den und statt­des­sen den Begriff “Deko­lo­ni­sie­rung” benutzen.

Donners­tag, 30.06.2022 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Theo­dor Wahl-Aust (Düssel­dorf)
Bild­vor­trag — Das Recht wird in der Wüste wohnen und Gerech­tig­keit im frucht­ba­ren Lande
Ort: Stadt­teil­zen­trum Lister Turm, Raum 16
Isra­els obers­ter Gerichts­hof hat am 5. Mai die Zerstö­rung von acht paläs­ti­nen­si­schen Dörfern und die Vertrei­bung von mehr als 1000 Menschen im Süden des West­jor­dan­lands gebil­ligt. Genau dort in Masa­far Yatta südlich Hebron (arab. Al-Khalil) war Theo­dor Wahl-Aust bis vor kurzem — Früh­jahr 2022 — im Auftrag von Pax Christi als Menschen­rechts­be­ob­ach­ter des Welt­kir­chen­rats* im Einsatz – und er berich­tet vom verzwei­fel­ten Kampf der Menschen gegen die Zerstö­rung und den Verlust ihrer Heimat. (Bild links: Zerstö­rung einer Behau­sung in den Bergen südlich Hebrons, ©ÖRK-EAPPI). *EAPPI: Ecuma­ni­cal Accom­p­animent Programme in Pales­tine and Israel.

 

 

Montag, 07.11.2022 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Leonardo Carvalho Bandarra
Achie­ving the Possi­ble — Das (Un?)Mögliche erreichen!
Ort: Online Veran­stal­tung über Zoom
Mit dieser Veran­stal­tung möch­ten wir die NGO METO vorstel­len. Die Middle East Treaty Orga­niza­tion (www.wmd-free.me) ist eine Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tion, die 2017 als Zusam­men­schluss von zivil­ge­sell­schaft­li­chen Akti­vis­ten und Abrüs­tungs­exper­ten gegrün­det wurde. Ziel ist, den Nahen Osten von allen Massen­ver­nich­tungs­waf­fen (MVW) zu befreien. Dem zu Grunde liegt ein Vorschlag aus den 1970er Jahren für eine atom­waf­fen­freie Zone im Nahen Osten, erwei­tert um das Ziel, neben Atom­waf­fen auch chemi­sche und biolo­gi­sche Waffen einzu­be­zie­hen. METO arbei­tet auf eine umfas­sen­dere Vision von regio­na­ler Sicher­heit und Frie­den hin mit dem Ziel der Einrich­tung einer massen­ver­nich­tungs­waf­fen­freien Zone im Nahen Osten. Um dieses Ziel zu errei­chen, verfolgt die Orga­ni­sa­tion einen tradi­tio­nel­len, auf Verträ­gen basie­ren­den Ansatz. Er stützt sich sowohl auf diplo­ma­ti­sche Mecha­nis­men als auch Kampa­gnen der Zivil­ge­sell­schaft, die u.a. Programme und Veran­stal­tun­gen umfas­sen, die sich auf poli­ti­sche Debat­ten, Inter­es­sen­ver­tre­tung und Bildung konzen­trie­ren. METO ist inter­na­tio­nal aktiv und Part­ner u.a. der Inter­na­tio­nal Campaign to Abolish Nuclear Weapons und der Inter­na­tio­na­len Ärzte für die Verhü­tung des Atomkriegs.
Vor dem Refe­rat gibt Sharon Dolev, Direk­to­rin der Mittel East Treaty Orga­niza­tion, eine kurze Einfüh­rung. Sie wird sich auch an der anschlie­ßen­den Diskus­sion mit Beiträ­gen beteiligen.
Dr. Leonardo Bandarra ist ein Wissen­schaft­ler, der sich mit der Nicht­ver­brei­tung von Massen­ver­nich­tungs­waf­fen und der Abrüs­tung, vor allem von Kern­waf­fen, beschäf­tigt. Er arbei­tet als Wissen­schaft­ler Mitar­bei­ter in der Univer­si­tät Duis­burg-Essen und ist Senior Rese­arch Asso­ciate in der Middle East Treaty Organization.

Neben den inter­es­san­ten Infor­ma­tio­nen betr. den Nahen Osten und die Exis­tenz atom­waf­fen­freier Zonen in der Welt macht die Aufzeich­nung den Zuschau­ern die Komple­xi­tät inter­na­tio­na­ler Diplo­ma­tie deut­lich. Die Beiträge geben ein gutes Bild davon, wie wich­tig und notwen­dig und zugleich schwie­rig der Aufbau von Vertrauen in Verhand­lungs­pro­zes­sen ist und welche Rolle eine inter­na­tio­nal vernetzte NGO spie­len kann.

Donners­tag, 24.11.2022 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Theo­dor Wahl-Aust (Düssel­dorf)
Für ein barrie­re­freies Leben in Massa­far Yatta!
/ Gegen Aussper­rung und Vertrei­bung in MY

Ort: Stadt­teil­zen­trum Lister Turm, Raum 16
I
sraels obers­ter Gerichts­hof hat am 4. Mai die Zerstö­rung von acht paläs­ti­nen­si­schen Dörfern und die Vertrei­bung von mehr als 1000 Menschen im Süden des West­jor­dan­lands gebil­ligt unter Beru­fung darauf, dass in Masa­fer Yatta in den Bergen von Süd-Hebron ein Militäma­nö­ver­ge­biet, die Feuer­zone 918, errich­tet werden müsse. Diese Begrün­dung der Errich­tung von soge­nann­ten Feuer­zo­nen dient oft als Vorwand, um Platz zu schaf­fen für die Errich­tung von Siedlungen.
Dort in Masa­far Yatta südlich Hebron war Theo­dor Wahl-Aust bis vor kurzem – Früh­jahr 2022 – im Auftrag von Pax Christi als Menschen­rechts­be­ob­ach­ter des Welt­kir­chen­rats* im Einsatz, er berich­tet vom verzwei­fel­ten Kampf der Menschen gegen die Vertrei­bung und damit den Ausschluss von dem Ort, wo sie seit Gene­ra­tio­nen gelebt haben.
*EAPPI: Ecuma­ni­cal Accom­p­animent Programme in Pales­tine and Israel.

FORUM-Veran­stal­tun­gen 2021

Soweit wir die FORUM-Veran­stal­tun­gen aufge­zeich­net haben (5.10. mit Karin Leuke­feld, 17.11. mit Dr. Raif Hussein, 15.12. mit Dr. Shir Hever, 26.01.21 mit Prof. Abed Scho­kry, 01.03.21 mit Dr. Raif Hussein, etc.), finden Sie die Videos weiter unten auf dieser Seite unter dem jewei­li­gen Veranstaltungstext.

Diens­tag, 26.01.21 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Abed Scho­kry (Gaza)
(Über)Leben zwischen Trauma und Hoff­nung’
- Aktu­el­ler Bericht aus Gaza unter Coronabedingungen
Ort: Online-Veran­stal­tung über Zoom
Prof. Dr. Abed Scho­kry studierte ab 1992 Maschi­nen­bau an der Tech­ni­schen Univer­si­tät Darm­stadt. Schon da enga­gierte er sich als Vertre­ter auslän­di­scher Studen­ten. Später promo­vierte er in Ergonomie/Rettungsdienst und Rettungs­wa­gen. Ab 2002 kam auch seine Frau nach Deutsch­land und die erste und die zweit­äl­teste Toch­ter wurden in Berlin geboren.
Nach seinem Studium in Deutsch­land folgte Dr. Abed Scho­kry aus dem siche­ren Berlin 2007 einem Ruf an die Univer­si­tät Gaza und kehrte in seine Heimat zurück. Und diese, gerade zu einer Zeit, als die letz­ten auslän­di­schen Beob­ach­ter den paläs­ti­ne­si­schen Grenz­pos­ten Rafah verlie­ßen. Seit­dem lebt er nun mit seiner Fami­lie dort. Dort erlebte er die mili­tä­ri­sche Inva­sion der israe­li­schen Armee 2008 / 2009, die Kriege, die Zerstö­run­gen und die totale Abrie­ge­lung nach außen und deren trau­ma­ti­sche Auswir­kun­gen, die bis heute anhal­ten. Abed Scho­kry sendet regel­mä­ßig erschüt­ternde Berichte aus Gaza über Situa­tio­nen, die in keinem deut­schen Medium zu lesen sind. „Ich bin verzwei­felt, aber auch wütend“, so beginnt einer der Briefe, die er regel­mä­ßig an deut­sche Freunde und Bekannte schickt.
Authen­tisch berich­tet er über das aktu­ell durch Corona noch beson­ders verschlech­terte Leben in Gaza – und rich­tet seinen Blick auch auf die Situa­tion von Fami­lien, Kindern und Jugendlichen.

Diens­tag, 09.02.21 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Daniel Alex­an­der Schacht (Hanno­ver)
Präsen­ta­tion: “Paläs­ti­nen­ser im Wunderland”
Ort: Veran­stal­tung über Zoom
Graf­fiti gegen Gewalt: Die welt­weit beach­tete Blüte der Street Art – an Isra­els Sperr­mauer zur West­bank in Beth­le­hem mit Dr. Daniel Alex­an­der Schacht: Mit seinen Graf­fiti hat der inter­na­tio­nale Street-Art-Star Banksy eine Konjunk­tur der Kunst an der Sperr­mauer losge­tre­ten, die Israel durch Beth­le­hem gebaut hat. Eine Präsen­ta­tion von Dr. Daniel Alex­an­der Schacht als visu­el­ler Spazier­gang an dem Bauwerk, dass die Paläs­ti­nen­ser isolie­ren sollte – und das durch Street Art aus aller Welt jetzt gerade Aufse­hen erregt.
Ursprüng­lich war die Präsen­ta­tion als Präsenz­ver­an­stal­tung im Rahmen der FILISTINA im Kino im Künst­ler­haus geplant. Sie musste jedoch auf Grund von COVID-19 abge­sagt werden und wurde digi­tal im Rahmen unse­rer Forums­ver­an­stal­tun­gen nachgeholt.

Hier können Sie die Aufzeich­nung des Vortrags sehen. Wir empfeh­len für eine bessere Lesbar­keit der Folien während des Vortrags rechts unten auf Voll­bild zu klicken.

Buch­emp­feh­lun­gen von Dr. Schacht:
Zia Krohn & Joyce Lager­weij: „Concrete Messa­ges. Street Art on the Israeli-Pales­ti­nian Sepa­ra­tion Barrier”. Doku­ment Press. Arsta, Sweden 2010, 126 Seiten, 28,21€
“A Child in Pales­tine. The Cartoons of Naji al-Ali. With an Into­duc­tion by Joe Sacco”. Verso – New Left Books. London, New York 2009, 118 Seiten, 12,89€
Arab Educa­tio­nal Insti­tute: “The Wall Museum. Pales­ti­nian Stories on the Wall in Beth­le­hem”. AEI Open Windows. Beth­le­hem 2012, 72 Seiten, Mail an aei@p‑ol.com.

Im Chat unse­rer Veran­stal­tung wurden Adres­sen und Hinweise bei weite­rem Infor­ma­ti­ons­be­darf empfohlen:
Zur paläs­ti­nen­si­schen Ortschaft Al-Isawiya in Ostje­ru­sa­lem: en.wikipedia.org/wiki/Isawiya
Ein sehr inter­es­san­ter Buch­la­den in Ostje­ru­sa­lem: www.educationalbookshop.com
Die Bibel als Grund­buch – ein Arti­kel in Haaretz: www.haaretz.com
Zur Website des EAPPI-Netz­werks in Deutsch­land: www.eappi-netzwerk.de
Zum Paläs­ti­na­bild in israe­li­schen Schul­bü­chern: Nurit Peled-Elhanan — “Paläs­tina in israe­li­schen Schul­bü­chern”. Eine Rezen­sion zu diesem Buch von Willi Parl­meyer im BIP Aktu­ell 155. Zu bezie­hen für 28€ über die STIF­TUNGS-Buch­hand­lung Otter­stadt (bitte nach der deut­schen Ausgabe fragen); E‑Mail: buchhandlung.hirschler@singstiftung.de; Tele­fon: 06232–2890098

 

Montag, 01.03.21 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Raif Hussein (Hanno­ver / Haifa)
Neuwah­len in Israel – die Partei­en­land­schaft und die oppo­si­tio­nelle Gemein­same Liste
Ort: Online-Veran­stal­tung über Zoom
In Israel stehen nach den Wahlen von 2019 und 2020 am 23.03. dieses Jahres erneute Wahlen an. Seit den letz­ten Wahlen haben sich einige Dinge verän­dert. Zum einen geriet Netan­jahu verstärkt unter Druck und steht wegen Korrup­tion unter Anklage. Zum ande­ren wurde sein Unter­stüt­zer Trump in den USA als Präsi­dent abgewählt.
Was bedeu­tet das für die anste­hen­den Wahlen? Wer und was steht zur Wahl und welche Tenden­zen sind abzu­se­hen? Wie steht es um die bei den letz­ten Wahlen noch dritt­stärkste Kraft, die gemein­same Liste aus paläs­ti­nen­si­schen und linken jüdi­schen Kräf­ten? Für Paläs­tina stehen eben­falls Wahlen an, für das Parla­ment, die Präsi­dent­schaft und den Natio­nal­rat, und zwar an drei verschie­de­nen Termi­nen. Was ist davon zu erwar­ten und wie ernst sind die Versöh­nungs­ten­den­zen zwischen PLO und Hamas zu nehmen?
Dr. Raif Hussein lebt seit vielen Jahren in Hanno­ver und ist Mitglied der PI. Er leitete auch viele Jahre die Deutsch-Paläs­ti­nen­si­sche Gesell­schaft e. V. Zur Zeit hält er sich in Haifa auf und beob­ach­tet dort die Lage und Entwick­lung in Israel und Palästina.

 

Donners­tag, 25.03.21 – 19.00 Uhr
Refe­rent: Daniel Alex­an­der Schacht (Hanno­ver)
Fried­li­che Gemein­sam­keit – (k)eine Utopie? 
Ort: Online-Veran­stal­tung über Zoom
Omri Boehms Impulse für eine andere Debatte über Frie­den zwischen Paläs­ti­nen­sern und Israe­lis – eine Präsen­ta­tion aus Anlass seines jüngs­ten Buches „Israel – eine Utopie”
Kann man als Deut­scher Isra­els Poli­tik kriti­sie­ren, ohne damit in alten Anti­se­mi­tis­mus zurück­zu­fal­len? Ist es Verrat am Zionis­mus, wenn man sich nicht zu einem jüdi­schen Staat bekennt? Führt der Weg zum Frie­den nur über die Zwei-Staa­ten-Lösung, einen Staat der Paläs­ti­nen­ser neben dem der Israelis?
Cover: Israel - eine UtopieSolche Fragen wirft der israe­li­sche Intel­lek­tu­elle Omri Boehm auf – und disku­tiert sie erfri­schend tabu­los. Seine Argu­mente klin­gen umso aktu­el­ler, je verfah­re­ner die Lage im Nahen Osten scheint. Denn umso deut­li­cher wird, dass Frie­den und Demo­kra­tie, Frei­heit und Gerech­tig­keit zwischen Mittel­meer und Jordan nicht gegen Exklu­si­vi­täts­an­sprü­che einer Gruppe, einer Ethnie oder Glau­bens­ge­mein­schaft gedei­hen können. „Israel – eine Utopie“ heißt das Buch, in dem der 1979 in Haifa gebo­rene und in New York lehrende und auch in Deutsch­land forschende Philo­soph (Boehm besitzt die israe­li­sche und deut­sche Staats­bür­ger­schaft) viele Vorbe­halte der Nahost­de­batte abräumt – und seine eigene, recht konkrete Utopie von einer ande­ren, fried­li­chen und demo­kra­ti­schen Staat­lich­keit für Israe­lis und Paläs­ti­nen­ser dagegensetzt.
Daniel Alex­an­der Schacht zeich­net Boehms Argu­men­ta­ti­ons­li­nien nach, illus­triert seine Exkur­sio­nen in Geschichte und Gegen­wart israe­li­schen Vordrin­gens und paläs­ti­nen­si­scher Verdrän­gung mit teils histo­ri­schen, teils aktu­el­len Bildern – und lädt zu einer Diskus­sion von Boehms provo­zie­ren­den Thesen ein, die Chan­cen und Gren­zen des von Boehm anstelle der Zwei-Staa­ten-Lösung favo­ri­sier­ten bina­tio­na­len Staa­tes von Israe­lis und Paläs­ti­nen­sern auslo­ten soll.

 

Mitt­woch, 28.04.21 — 19.00 Uhr
Refe­rent: Shir Hever
Die israe­lisch-deut­schen Rüstungs­be­zie­hun­gen und ihre poli­ti­schen Implikationen
Ort: Online-Veran­stal­tung über Zoom
Dass die deutsch-israe­li­schen Bezie­hun­gen auch im Rüstungs­sek­tor sehr eng sind, dürfte bekannt sein. Am 20. März diesen Jahres erschien in der Süddeut­schen Zeitung ein ausführ­li­cher Arti­kel über die deut­schen U‑Boot-Liefe­run­gen, in dem auch dem Verdacht auf korrup­tive Verwick­lun­gen von Regie­rungs­krei­sen nach­ge­gan­gen wurde. Durch diese Repor­tage wurden wir ange­regt, das Thema der Rüstungs­ge­schäfte, das über U‑Boot-Liefe­run­gen weit hinaus­geht, zu vertiefen.
Dr. Shir Hever – in Israel gebo­ren und aufge­wach­sen –  ist Akti­vist und Forscher und lebt in Heidel­berg. Er ist Geschäfts­füh­rer des Bünd­nis­ses für Gerech­tig­keit zwischen Israe­lis und Paläs­ti­nen­sern (BIP e.V.).

 

Montag, 17.05.21 – 19.00 Uhr
Refe­rent: Mitri Raheb
Hoff­nung für Paläs­tina? Die paläs­ti­nen­si­sche Zivil­ge­sell­schaft im alltäg­li­chen Kampf gegen den ‚doppel­ten Lock­down’ 
Ort: Online-Veran­stal­tung über Zoom
Dr. Mitri Raheb ist der viel­fach inter­na­tio­nal geehrte Grün­der und Präsi­dent des Bildungs­zen­trums “Dar al Kalima” in Beth­le­hem, das in diesem Jahr sein 25-jähri­ges Jubi­läum unter schwie­rigs­ten Bedin­gun­gen begeht. Heute ist Dar al Kalima ein großes Bildungs­zen­trum mit Hoch­schule, allge­mein­bil­den­den Abtei­lun­gen sowie außer­schu­li­schen Einrichtungen.
Mitri Raheb war von Juni 1987 bis Mai 2017 leiten­der Pfar­rer der Luther­kir­che in Beth­le­hem und von 2011 bis 2016 Präsi­dent der Synode der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kirche in Jorda­nien und im Heili­gen Land. 2018 wurde er in den Paläs­ti­nen­si­schen Natio­nal­rat und in den Paläs­ti­nen­si­schen Zentral­rat gewählt. Er ist Autor von 18 Büchern und Grün­dungs- und Vorstands­mit­glied der Natio­nal­bi­blio­thek Paläs­ti­nas sowie Grün­dungs­mit­glied und Autor von Kairos Pales­tine. In Theo­lo­gie promo­viert er an der Phil­ipps-Univer­si­tät Marburg.
Mitri Raheb wird über die poli­ti­sche Dimen­sion der Bildungs­ar­beit berich­ten, über seine Einschät­zun­gen zu den leider verscho­be­nen paläs­ti­nen­si­schen Wahlen spre­chen und zur Rolle der inter­na­tio­na­len Staa­ten­welt, insbe­son­dere Deutsch­land. Eine Veran­stal­tung u.a. vom Arbeitskreis–Nahost Bremen und der Deutsch-Paläs­ti­nen­si­schen Gesell­schaft Bremen.

Die zwei von Sönke Hundt bear­bei­te­ten Videos dieser Veran­stal­tung sind jetzt frei­ge­schal­tet worden und zwar in zwei Ausga­ben. Die Lang­fas­sung mit Refe­rat  +  Diskus­sion + Inter­view (1h54min) finden Sie hier:

Die kürzere Fassung enthält “nur” das Refe­rat (40min): youtu.be/Dog6hoDMKDc
Beide Videos finden Sie auch auf www.nahost-forum-bremen.de.

 

Montag, 14.06.21 – 19.30 Uhr
Refe­rent: Imad Mustafa
Zur poli­ti­schen Rolle von anti­mus­li­mi­schem Rassis­mus in Deutschland
Ort: Online-Veran­stal­tung über Zoom
Anläss­lich der Protest­de­mons­tra­tio­nen im Mai gegen die Poli­tik Isra­els gab es in Medien und Poli­tik viele Verlaut­ba­run­gen gegen ‚migran­ti­schen‘ bzw. ‚musli­mi­schen‘ Anti­se­mi­tis­mus. An diesem Abend möch­ten wir diese Äuße­run­gen in einen weite­ren Zusam­men­hang stel­len: Migra­tion, Inte­gra­tion und soge­nannte Islam­kri­tik sind seit Jahren Themen in Medien und Öffent­lich­keit. Muslim*innen werden oft einem Gene­ral­ver­dacht ausge­setzt und als gefähr­lich markiert, indem sie als außer­halb euro­päi­scher Normen sozia­li­sierte Gruppe konstru­iert werden, die das böse Andere euro­päi­scher Zivi­li­siert­heit darstellt. Gewalt, Anti­se­mi­tis­mus, Frau­en­un­ter­drü­ckung, Funda­men­ta­lis­mus werden exter­na­li­siert und auf Muslim*innen proji­ziert, so als gäbe es diese Phäno­mene hier nicht.
Zugleich unter­wer­fen Poli­zei- und Geheim­dienst­ap­pa­rate Muslim*innen einem Kontroll­re­gime, das musli­mi­sches Leben in Deutsch­land immer weiter erfasst und doku­men­tiert. Immer öfter wird isla­mi­sche Reli­gio­si­tät in die Nähe von Extre­mis­mus gerückt, ganze Gemein­den dadurch stig­ma­ti­siert. Jüngs­tes Beispiel sind die beiden Islam­kar­ten des „Doku­men­ta­ti­ons­zen­trums Poli­ti­scher Islam“ in Wien und die Karte von tages­schau-Spre­cher Constan­tin Schrei­ber (Moschee­pe­dia).
Die Veran­stal­tung will diesen Konstruk­tio­nen kritisch nach­spü­ren; nach­fra­gen, was soge­nannte Islam­kri­tik und anti­mus­li­mi­scher Rassis­mus im west­lich-euro­päi­schen (Sicherheits-)Diskurs über­haupt für eine Funk­tion erfül­len, welche diskur­si­ven Verschie­bun­gen und Über­lap­pun­gen mit isla­mi­scher Reli­gio­si­tät statt­fin­den und wie sich Musli­min­nen und Muslime sowie progres­sive Verbün­dete dage­gen wehren können.
Imad Mustafa arbei­tet am Semi­nar für Medien- und Kommu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft der Univer­si­tät Erfurt. Er promo­vierte dort am Lehr­stuhl für Verglei­chende Analyse von Medi­en­sys­te­men und Kommu­ni­ka­ti­ons­kul­tu­ren. Seine Forschungs­schwer­punkte liegen im Bereich der Demo­kra­ti­sie­rungs- und Bewe­gungs­for­schung, Nahost­for­schung, Rechts­po­pu­lis­mus, Islam in Deutsch­land und anti­mus­li­mi­schem Rassis­mus. Im Juli erscheint sein neues Buch “Revo­lu­tion und defekte Trans­for­ma­tion in Ägypten”.

 

Donners­tag, 02.12.2021 – 19.00 Uhr
Refe­rent: Sami Hussein (Jericho/Hildesheim)

Gesund­heit unter Besatzung
Ort: Frei­zeit­heim Döhren
Es wird von Prof. Dr. Hussein die gesund­heit­li­che Lage der Bevöl­ke­rung in Paläs­tina und die Gesund­heits­ver­sor­gung darge­stellt. Haben alle glei­cher­ma­ßen Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung, zu Medi­ka­men­ten, Impf­stof­fen, Prothe­sen, Kran­ken­häu­sern? Welche Unter­schiede gibt es bei der Versor­gung der israe­li­schen und paläs­ti­nen­si­schen Bevöl­ke­rung? Welche Unter­schiede gibt es bei der Impf­si­tua­tion der paläs­ti­nen­si­schen und israe­li­schen Bevöl­ke­rung? Wäre eine Aufhe­bung des Patent­schut­zes von Vorteil? Wie ist der Einfluss der Besat­zung auf die Gesundheitsversorgung?
Der Refe­rent Prof. Dr. Sami Hussein, der nach seiner Tätig­keit als renom­mier­ter Neuro­chir­urg an der MHH und als Chef­arzt in Hildes­heim den Entschluss fasste, als Spezia­list nach Jeru­sa­lem und Jeri­cho zu gehen, kennt sich dort sehr gut aus und refe­riert aus aktu­el­ler Sicht.

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