FILISTINA 2022

2002 – 2022

20 Jahre Palästina Initiative Region Hannover

10. Filistina 2022

                  Festival für Kultur und Politik in Palästina

20 Jahre Palästina Initiative Region Hannover wollen wir mit der 10. Filistina – Festival für Kultur und Politik – 2022 feiern. Nachdem unsere erste FILISTINA-Veranstaltung erfolgreich gelaufen ist (am 12. Mai), setzen wir im Oktober unsere Reihe nach der Sommerpause fort beginnend mit der Vernissage zur Ausstellung ‘Besetzte Leben’ am 2. Oktober in der Kulturfabrik Krawatte in Barsinghausen.

Alle Termine der Filistina 2022, samt Erläuterungen, finden Sie unten sowie in unserem Programmflyer.


Seit 20 Jahren ist es Intention der Palästina Initiative Region Hannover (PI) über die Lebenssituation der palästinensischen Bevölkerung in der Westbank, in Ost-Jerusalem und in Gaza zu informieren und sich für ihre Eigenstaatlichkeit einzusetzen. Wir müssen feststellen, dass sich Grundsätzliches seit 2002 nicht verändert hat. Die Vereinten Nationen haben den Palästinensern einen Gaststatus gegeben. Einige Staaten haben formal Palästina als Staat anerkannt, was faktisch aber bedeutungslos ist. Die Palästinenser selbst sind uneins – die politischen Führungen in der Westbank und in Gaza schaffen keine eigenständige Legitimierung durch Wahlen. Ostjerusalem ist von Israel annektiert. Israel ist nicht nur nicht bereit, den PalästinensernSelbstbestimmung und Souveränität zu gewähren, sondern beherrscht als Besatzungsmacht die Westbank und riegelt Gaza von der Umwelt hermetisch ab. Wir sind beeindruckt von der Zivilcourage jüdischer und israelischer Initiativen, Organisationen und Einzelpersönlichkeiten weltweit, die die Besatzungspolitik Israels verurteilen und sich für Freiheit, Recht und Würde der palästinensischen Bevölkerung einsetzen. Sie geben uns wichtige Einblicke und Anregungen für unsere Informations- und politische Bildungsarbeit. Aber immer wieder sind wir bestürzt darüber, wie eng deutsche Politik und Medien dem Diktum der vorgeblichen „deutschen Staatsraison“ folgen und sich letztlich an israelischer Regierungspolitik orientieren. Die offizielle deutsche Außen- und Innenpolitik – als werteorientiert postuliert – praktiziert gegenüber Israel eine Politik der doppelten Standards. Mit unserer 10. Filistina setzen wir unsere Bemühungen um Verstehen und Verständigung unermüdlich-optimistisch fort.

Wir laden Sie herzlich ein zu unserem
Festival für Kultur und Politik in Palästina 2022
Astrid Wortmann

 

Das Programm der FILISTINA 2022 im Oktober:

 

AUSSTELLUNG
VERNISSAGE – SONNTAG 02.10.2022, 17:00 UHR
AUSSTELLUNG – 02. bis 16.10.2022
Kulturfabrik Krawatte, Egestorfer Straße 28, 30890 Barsinghausen
Öffnungszeiten: Sa. / So. 14:00 – 17:00 Uhr
Eintritt frei
„BESETZTE LEBEN“
Ausstellung mit Fotoarbeiten von Prof. Heiner Schmitz
In der Ausstellung „Besetzte Leben“ widmet sich der Fotograf der Lebenssituation von Beduinen im nördlichen Jordantal. Die Bildmotive ergänzt er durch Texttafeln mit Interviews, die er mit den abgebildeten Beduinenfamilien geführt hat.
Grußwort: Dr. h.c. Herbert Schmalstieg, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover a.D. und langjähriger Schirmherr der FILISTINA – Festival für Kultur und Politik in Palästina.
Einführung: Professor Heiner Schmitz berichtet über die Entstehungsbedingungen und die Intention seines Fotoprojekts und führt anschließend durch die Ausstellung.
Musikalische Begleitung mit Saz und Keyboard, geselliger Ausklang.

 

 

FILME

MITTWOCH 05.10.2022, 20:15 UHR
Künstlerhaus, Sophienstr. 2, 30159 Hannover
Eintritt: 6,50 €, erm. 4,50 €

Zwei Dokumentar-Kurzfilme von Mohammed Alatar

„Jerusalem. The East Side Story“
Palästinensische Autonomiegebiete 2008, Omdt.U., 57 Min.
Die Dokumentation zeichnet aus palästinensischer Sicht die wichtigsten historischen Etappen seit der israelischen Staatsgründung nach. Der Regisseur Mohammed Alatar
konzentriert sich dabei auf die Auswirkungen der israelischen Besatzungspolitik auf die Bewohner der Stadt Jerusalem. Der Westteil der Stadt wird seit 1948 von Israel kontrolliert, der Ostteil seit 1967.

„Broken“
Palästinensische Autonomiegebiete 2018, Omdt.U., 52 Min.
Im Zentrum von Mohammed Alatars Film steht die völkerrechtliche Bewertung des Verlaufs der von Israel auf palästinensischem Gebiet errichteten Sperrmauer zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag wurde von der UNO beauftragt, nicht die Mauer als solche, sondern deren Verlauf juristisch, d.h. vor allem völkerrechtlich zu bewerten.
Eine besondere Qualität des Films ist in den Interviews zu sehen, die der Regisseur mit den beteiligten Richtern führt, auch mit dem US-amerikanischen Richter über die Gründe seines Minderheitsvotums.

 

PRÄSENTATION

MONTAG 10.10.2022, 19:00 UHR
Kulturfabrik Krawatte, Egestorfer Straße 28, 30890 Barsinghausen
Eintritt frei
„PALÄSTINENSER im WUNDERLAND“
Die weltweit beachtete Blüte der Street Art an der Sperrmauer zur Westbank.in.Bethlehem.
Der internationale Street-Art-Star Banksy hat an der 2005 von Israel errichteten Sperrmauer eine Konjunktur dieser Kunstform ausgelöst. So ist die Mauer nach der Geburtskirche in Bethlehem der am häufigsten von Touristen besuchte Ort geworden. In seiner Präsentation nimmt uns Dr. Daniel Alexander Schacht mit auf einen visuellen Spaziergang entlang des Bauwerks und gibt einen Überblick zu Graffiti und Street-Art von Künstlern aus aller Welt und der vielfältigen Formensprache.

 

FILME

DIENSTAG 11.10.2022, 20:15 UHR
Künstlerhaus, Sophienstr. 2, 30159 Hannover
Eintritt: 6,50 €, erm. 4,50 €
„Disturbing the Peace“
Dokumentarfilm von Stephen Apkon, USA 2016, 87 Min., dt. U.
Die israelisch-palästinensische Friedensinitiative Combatants for Peace setzt sich seit 2006 für die gewaltfreie Beilegung des Konflikts ein. Der Film erzählt anhand persönlicher Schicksale, wie ehemals verfeindete Kämpfer und Kämpferinnen sich heute gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben engagieren. Er zeigt, was es bedeutet, in Israel oder Palästina aufzuwachsen und alltäglich mit Gewalt leben zu müssen, aber auch, dass ein Durchbrechen der Spirale von Terror, Leid und Hass möglich ist, wenn man die eigene Haltung hinterfragt und bereit ist, die Welt mit den Augen der „Anderen“ zu betrachten. 2017 und 2018 wurden die Combatants for Peace für den Friedensnobelpreis nominiert.
Anschließendes Gespräch mit einer Vertreterin der Combatants for Peace Deutschland (angefragt).

DONNERSTAG 20.10.2022, 20:15 UHR
Künstlerhaus, Sophienstr. 2, 30159 Hannover
Eintritt: 6,50 €, erm. 4,50 €
„Wajib“
Spielfilm von Annemarie Jacir, Palästina/Fr/D/CO/NO/QA/VAE 2017, 96 Min
Der palästinensische Architekt Shadi lebt seit Jahren in Rom. Nur widerwillig kehrt er in seine Heimatstadt Nazareth zurück, weil die Hochzeit seiner Schwester Amal bevorsteht. Der palästinensischen Tradition gemäß müssen die zahlreichen Einladungen zur Hochzeit persönlich überbracht werden. In einer Art Roadmovie erleben wir, wie Vater und Sohn von Haus zu Haus fahren und bekommen dabei Einblicke in die Spannungen, die aus dieser sozialen Pflicht entstehen.

 

Die erste Veranstaltung der FILISTINA 2022 fand im Mai statt:

Lesung, Vortrag und Gespräch
12. Mai, 19.00 Uhr im ka:punkt, Grupenstr. 8, Hannover

Die palästinensische Friedensaktivistin und Autorin Sumaya Farhat-Naser wird über das Leben unter Militärbesatzung und ihre Friedensarbeit sprechen. Sie wird aus ihrem Buch “Ein Leben für den Frieden” lesen und über ihre langjährige Erfahrung der Vermittlung von Gewaltfreier Kommunikation berichten. Wie Menschen, v. a. Frauen und Jugendliche, in Seminaren durch individuelle Auseinandersetzung mit Angst und Stress ermutigt werden, ihr Leben – trotz vielfältiger Gewalterfahrung – zu gestalten. Immer wieder werden dabei gemeinsam Perspektiven gesucht, die Hoffnung schaffen.

Ein Leben für den Frieden:
Perspektiven suchen und Hoffnung schaffen
Sumaya Farhat-Naser, geboren 1948 in Birzeit bei Ramallah, im Jahr der israelischen Staatsgründung, die aufgrund der Vertreibungen als Nakba (Katastrophe) ins kollektive Gedächtnis der Palästinenser eingegangen ist, wuchs im Westjordanland auf, das seit nunmehr funfundfünfzig Jahren von Israel besetzt gehalten wird. Sie studierte Biologie, Geographie und Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg und promovierte in Angewandter Botanik. Ab 1982 war sie Dozentin für Botanik und Ökologie an der Universität Birzeit in Palästina. Sie ist Mitbegründerin und Mitglied zahlreicher Organisationen, u.a. von Women Waging Peace an der Harvard-Universität und von Global Fund for Women in San Francisco.

Seit Jahrzehnten setzt sie sich in Friedensinitiativen und Frauengruppen für Dialog und Gewaltverzicht bei der Lösung des Nahostkonflikts ein. In mittlerweile fünf Büchern und auf zahlreichen Vortragsreisen hat Sumaya Farhat-Naser von ihrer Arbeit und vom Alltag unter Besatzung berichtet. Ihr Engagement wurde vielfach ausgezeichnet: 1989 erhielt Sumaya Farhat-Naser die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Münster. 1995 wurde sie mit dem Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte und 1997 mit dem Evangelischen Buchpreis des Deutschen Verbands Evangelischer Büchereien sowie dem Versöhnungspreis Mount Zion Award in Jerusalem ausgezeichnet. Zudem erhielt sie 2000 den Augsburger Friedenspreis, ihr wurden die Hermann-Kesten-Medaille des P.E.N.-Zentrums Deutschland (2002), der Bremer Solidaritätspreis (2002), der Profaxpreis (2003) und der AMOS-Preis für Zivilcourage in Religion, Kirchen und Gesellschaft (2011) verliehen. In 2013 wurde die Autobiographie „Thymian und Steine“ als Buch der Stadt Köln ausgezeichnet.

Die Einladung zu dieser Veranstaltung als PDF